Westernroman
Revolverhelden aus Deadwood

Für Westerfans, denen „Bonanza“ immer schon zu bürgerlich war: Pete Dexters Serienvorlage „Deadwood“ erscheint endlich auch als deutscher Roman.

Um es schon mal vorweg zu sagen: Dies ist kein netter Roman. So wie das kleine Deadwood im Jahr 1876 kein nettes Städtchen war. Sondern ein mieses, verkommenes Goldgräberkaff tief im amerikanischen Westen – wacklige Holzhütten, Dreck überall: auf den Wegen, im Saloon, an den Menschen. Hierher kommt in Pete Dexters großartigem Roman der alternde, kranke Wild Bill Hickok. Der legendäre Revolverheld begleitet einen Siedlertreck durch das Indianergebiet, zusammen mit seinem treuen Freund Charlie Utter.

Der schweigsame Beobachter Utter ist auch das Auge und Ohr des Erzählers, durch ihn erfahren wir alles. Er berichtet über Bills seltsame Krankheit, die ihn nicht mehr pissen lässt, über die kleinen Gauner und Gelegenheitskiller, die hoffen, durch ein Duell mit dem angeschlagenen Gun-Man selbst zu Ruhm zu gelangen, über Gold, Sex und Suff, die das rasant wachsende Städtchen beherrschen. Fern jeder Westernromantik, wie man sie aus Hollywoodfilmen oder Karl-May-Episoden kennt, erzählt Autor Pete Baxter gekonnt die knallharte ungeschminkte Realität und erweist dem altehrwürdigen Genre damit einen großen Dienst.

Wild Bill Hickok und die anderen Figuren, wie der geschäftstüchtige Sheriff Seth Bullock, die durchgeknallte Calamity Jane oder der gierige Bordellbesitzer Al Swearengen, sind alle historisch belegt und waren wohl ebenso verkommen und abgerissen, wie Dexter sie beschreibt. Sein Originalbuch erschien bereits 1986 in den USA und war Drehbuchvorlage für die gleichnamige TV-Serie. Die endlich auf Deutsch erschienene Ausgabe war längst fällig und erfreut echte Westernfans, für die „Bonanza“  immer schon eine Spur zu bürgerlich war. Ein echter Kracher.

Westernroman:

Pete Dexter – „Deadwood“, übersetzt von J. Bürger, K. Bielfeldt, Liebeskind 2011, 448 Seiten, 22 Euro.

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