Soloalbum und Debütroman
Die vielen Leben des Simone Felice

Simone Felice, bisher als Schlagzeuger von The Felice Brothers und Frontmann von The Duke & The King bekannt, hat sein erstes Soloalbum aufgenommen. Zeitgleich veröffentlicht der Amerikaner außerdem seinen ersten Roman.

Simone Felice

Musiker, Schriftsteller - und offenbar ein bisschen auch ein Poser: Simone Felice (Foto: Lucy Hamblin)

2010 war ohne Zweifel ein ziemlich turbulentes Jahr für Simone Felice. „Im Herbst musste ich mich einer Notoperation am offenen Herzen unterziehen“, erzählt der Amerikaner mit ruhiger, tiefer Stimme. „Drei Wochen danach wurde ich zum ersten Mal Vater. Diese beiden Erlebnisse haben meine Welt komplett auf den Kopf gestellt. Es hat mir gezeigt, wie kurz das Leben sein kann. Und es hat mich dazu inspiriert, dieses Album aufzunehmen, das so ehrlich und offen ist, wie es nur geht.“

Es ist das erste Album, das Simone Felice unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Bekannt wurde er 2006 als Schlagzeuger der Folk-Band The Felice Brothers. Bei The Duke And The King übernahm er drei Jahre später auch den Gesang. „Dieses Album ist für mich wie der Beginn eines neuen Lebens“, so Felice. „Ich glaube ich brauchte das. Ich habe das Album direkt nach der Operation geschrieben, ich war damals auf schweren Schmerzmitteln, hatte Albträume. Das war eine sehr demütigende Zeit, meine Mutter und meine Frau mussten mich waschen. Gleichzeitig war ich aber auch froh am Leben zu sein und die Geburt meiner Tochter erlebt zu haben. Licht und Dunkel halten sich auf dem Album also die Waage.“ Dabei klingen die Songs unglaublich intim, sind folkig angehaucht und simpel aber schön arrangiert. Das anmutige „New York Times“ wird von einer tollen Klaviermelodie und Felice´s souliger Stimme getragen, das jubilierende „You & I Belong“ hingegen hat dank Chören und Pfeifen einen echten Gospel-Touch.

Nicht zu übersehen sind dabei die Texte, schließlich erzählt Felice mit jedem Song eine kleine Geschichte. „All diese unterschiedlichen Charaktere, die ich in meinen Songs beschreibe, stecken zu einem Teil in mir“, sagt er. „Auch ich kenne all diese Emotionen und Ängste. Es war für mich ein Weg meine inneren Dämonen zu bekämpfen, gleichzeitig aber auch eine Geschichte zu erzählen.“ In „Sharon Tate“ zum Beispiel erzählt Felice von der gleichnamigen Schauspielerin, die 1969 von der Manson-Familie umgebracht wurde. „Ich hatte damals eine Roman Polanski-Dokumentation zu dem Thema gesehen“, sagt er. „Sie war im achten Monat schwanger, als sie ermordet wurde. Genau wie meine Frau zu der Zeit, als ich auf Morphium war. Da sind die Bilder und Assoziation mit mir durchgegangen und ich musste diesen Song schreiben, um all das loszuwerden“. „Courtney Love“ derweil handelt von der Erkenntnis, dass die Sängerin „ein verlorenes Kind ist“, in „Hey Bobby Ray“ geht es um die Legende von einem Verbrecher namens Bobby Ray, der um Vergebung bittet.

Kurz gesagt: In den meisten Fällen erzählt Felice die Geschichten von Außenseitern. Eine Tatsache, die auch auf seine ersten Roman „Black Jesus“ zutrifft, der ebenfalls dieser Tage erscheint. Darin geht es um einen jungen, amerikanischen Soldaten namens Black Jesus, der nach einer Bombenexplosion blind aus dem Irakkrieg zurückkehrt. „Ich war selbst immer ein Außenseiter und irgendwie faszinieren mich Menschen, die auf der Schattenseite stehen, die verrückte Geschichte und Geheimnisse haben“, so Felice. Allerdings findet Black Jesus doch noch Hoffnung, als er die ebenso vom Leben gebeutelte Tänzerin Gloria trifft. „Ich mag Happy Endings!“, so Felice. „Zwar ist es im echten Leben nicht immer so, aber ich ziehe es Happy Endings durchaus vor!“

Simone Felice – „Simone Felice“ (v2 Benelux/Soulfood Music), März 2012.

Simone Felice – „Black Jesus“ (208 Seiten, Heyne Hardcore), März 2012.

www.simonefelice.com

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