'Sister Brothers' von Patrick deWitt
Junge Huren, alte Hexen

Suff und Tod während einer Goldsuche im sagenhaften Kalifornien: Patrick deWitts zweiter Roman “Sister Brothers” ist dreckiger Western und tragikomisches Roadmovie zugleich.

Patrick deWitt

Sieht so aus, als kenne er den Wilden Westen nur aus Erzählungen: Schriftsteller Patrick deWitt, der selbst ein ziemlich guter Erzähler ist

Warum dieser Hermann Kermit Warm eigentlich sterben muss, das wissen die Brüder Charlie und Eli Sisters nicht. Für die berüchtigten Revolverhelden ist die Sache aber ganz einfach: Der Kommodore, für den sie arbeiten, hat es so befohlen. Darum reiten die ungleichen Brüder im Jahr 1851 den weiten Weg vom ländlichen Oregon ins sagenhafte Kalifornien, wo ihr zukünftiges Opfer wie Tausende anderer Abenteurer auf Goldsuche ist. Doch das Schicksal ist den beiden gefürchteten Killern schon länger nicht mehr hold.

Eli, der Jüngere und zugleich der Erzähler, hat nicht nur „Sinn für die poetischen Momente des Lebens“. Er ahnt, dass dieser Auftrag ihnen kein Glück bringen wird. Auf der wochenlangen Reise fließt viel Whiskey, sie begegnen jungen Huren und alten Hexen, weinenden Cowboys und gefährlich schweigsamen Indianern. Die Gier nach dem Gold fordern ihren Tribut, mehrere Menschen und – schlimmer noch, so erzählt es jedenfalls der sensible Eli – auch einige Pferde und Biber müssen sterben.

Der 1975 in Kanada geborene Autor Patrick deWitt schickt seine hartgesottenen, aber nicht unsympathischen Helden in „Die Sisters Brothers“ in ein tragikomisches, verschlammtes Roadmovie, das an die späten, sehr desillusionierten Western von Sam Peckinpah erinnert. So lässt der Schriftsteller den Wild West-Mythos wieder aufleben, allerdings sehr viel echter, wenig heroisch, ziemlich lädiert und verdammt dreckig.

Die Recherchen konnte Patrick deWitt vor Ort machen, denn er arbeitet seit Jahren in Portland im eher ländlichen Oregon, wo er mit seiner Familie lebt. Dieser Western ist sein zweiter Roman, für seinen Erstling „Ablutions: Notes for a Novel“, einen comichaften Trinkerroman, der leider (noch) nicht auf Deutsch erschienen ist, erhielt er bereits viel Lob. Die Originalversion der „Sisters Brothers“ wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet, der Roman war 2012 unter anderem für den renommierten Man Booker Prize nominiert. Besonders stolz ist deWitt auch auf den „Ken-Kasey-Award“, der nach dem berühmten Autor von „Einer flog übers Kuckucksnest“ benannt wurde.

Roadmovie-Roman:

Patrick deWitt – „Die Sisters Brothers“, Manhattan Verlag 2012, 352 Seiten, 17,99 Euro.

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