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Ross Thomas' Krimi-Romane Eine Spur von Zynismus
von Michael Pöppl am 15. August 2012
Die politischen Thriller des amerikanischen Journalisten und Politikberaters Ross Thomas sind immer noch hochspannend und der allerbeste Geschichtsunterricht. Manche Romanhelden sind einem von Anfang an sympathisch: So wie der große dicke Artie Wu, der sich als legitimer Nachfolger auf den chinesischen Kaiserthron bezeichnet. Zusammen mit seinem hageren weißer Kumpel Quincy Durant, den er seit seiner Kindheit im Waisenhaus kennt, und seiner Familie lebt er in Malibu Beach. Die beiden toughen Jungs verdienen ihr Geld mit Ermittlungen jeder Art. In Ross Thomas‘ Krimi „Umwege zur Hölle“ werden sie so in eine irre Geschichte verwickelt, in der die Mafia, die CIA und eine nymphomane Country-singende Millionärsgattin eine Rolle spielen. Ein spannender Schmöker, den man atemlos durchliest, viel dabei lacht und schnell mehr von diesem Autor wissen und auch lesen will. Der Journalist Ross Thomas, Jahrgang 1926, begann erst mit 40 Jahren Bücher zu schreiben. Und doch war er sehr produktiv, bis zu seinem Tod im Jahr 1995 entstanden 25 Romane. Als er nach seinem Einsatz als Soldat im Zweiten Weltkrieg in die USA zurückkehrte, arbeitete er als Reporter, Gewerkschaftssprecher und Politik-Berater (u. a. für den späteren demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson), in den fünfziger Jahren baute er das AFN-Büro in Bonn auf. Er kam herum in der unruhigen Welt der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges, durch seine Kontakte wurde er zum Insider der politischen Machtstrukturen. Korruption, Wahlmanipulationen und Schmutzkampagnen kennt er aus seiner Arbeit in den Niederungen der Politik: „Ich nutze die Tatsache, dass ich die Hinterzimmer kenne, in denen die wahren Deals beschlossen werden. Wenn es in meinen Büchern eine Spur von Zynismus gibt, dann basiert die nur auf der Realität“, verriet Thomas 1981 in einem Interview mit der „Los Angeles Times“. Sprachlich knapp und ebenso lakonisch wie sein Vorbild Hemingway gelingt es Ross Thomas immer, den Leser mitzureißen. Mitfühlend, aber ohne falsche Sentimentalität, immer mit genug Humor, damit man als Leser genug Spaß an seinen ungewöhnlichen Geschichtsstunden hat. Dass der amerikanische Autor überhaupt wieder auf Deutsch zu lesen ist, verdanken wir dem Berliner Alexander Verlag. „Die Ullstein-Edition, die Anfang der achtziger Jahre erschien, war ziemlich nachlässig gemacht. Und weil kein Band der Gelben Krimireihe mehr als 160 Seiten haben sollte, wurde gnadenlos gekürzt“, sagt Verleger Alexander Wewerka, der als Fauser-Editor auf den Krimiautor stieß. Und dann in einem Urlaub alles, was er von Thomas in die Finger bekam, begeistert durchlas. Seit 2007 bringt sein Verlag zweimal im Jahr ein weiteres Buch des Autors heraus, akribisch überarbeitet und teilweise neu übersetzt.
„The Cold War Swap“, Thomas‘ erster Krimi, erschien im vergangenen Jahr neu überarbeitet unter dem Titel „Kälter als der Kalte Krieg“. Die schmutzigen Geschäfte der Geheimdienste finden in Mac’s Place, einer wunderbaren Bar im verschnarchten Bad Godesberg statt. Toughe, aber dennoch realistische Helden sind der Barbesitzer „Mac“ McCorkle und sein Geschäftspartner, der Geheimagent Padillo, die zwischen die Fronten der Weltmächte geraten. Diese beiden Protagonisten spielen auch wieder die Hauptrollen im neu erschienenen Band „Gelbe Schatten“. Zurückgekehrt in die USA – Mac’s Place ist Anfang der sechziger Jahre umgezogen ins intrigante Washington – werden sie erneut in die Weltpolitik verwickelt. Macs Frau wird entführt. Die einzige Forderung der Erpresser: Padillo soll einen afrikanischen Staatsmann erschießen. Auch hier liest man atemlos bis zum Ende. Und darf sich schon auf den dritten Band der McCorckle & Padillo-Reihe freuen: „Die Backup-Männer“ erscheint bereits im September 2012. Die Mc Corkle-und Padillo-Fälle von Ross Thomas beim Alexander Verlag: Kälter als der Kalte Krieg (The Cold War Swap). Aus dem Amerikanischen von Wilm W. Elwenspoek, Gisbert Haefs und Anja Franzen, 2011, 268 Seiten, 14,90 Euro Gelbe Schatten (Cast a Yellow Shadow). Aus dem Amerikanischen von Wilm W. Elwenspoek, Stella Diedrich und Gisbert Haefs, 2012, 284 Seiten, 14,90 Euro Die Backup-Männer (The Backup Men). Aus dem Amerikanischen von Wilm. W. Elwenspoek, Heinz F. Kliem und Jochen Stremmel, 250 Seiten, 14,90 Euro (erscheint im September 2012) Ähnliche Artikel Die besten deutschen Festivals haben wir bereits vorgestellt, aber natürlich gibt es auch im… Man muss auch an den Dingen dranbleiben, die einem gefallen, liebe Zuschauer. Nilz Bokelberg… Annette Hollywood trägt einen coolen Künstlernamen. In einer Berliner Galerie zeigt sie aktuell… Die Bilder von Gerd Marschand lassen den Hamburger Kiez der 60er, 70er und 80er Jahre… Auch von August bis November lassen sich in Deutschland…
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