Hardboiled in Frankfurt
Zwischen Bankenviertel und Unterwelt

Kemal Kayankaya, der hessische Schnüffler mit Migrationshintergrund, löst nach langer Pause mit Leichtigkeit, Witz und soziologischem Biss wieder einen Fall. Es ist sein Fünfter und er lässt auf mehr hoffen.

In Frankfurt aufgewachsen, lebt Jakob Arjouni heute in Berlin.

Ein abgebrühter Privatdetektiv, eine Blondine mit sexy Schlangen-Tattoo, deren verschwundene 16-jährige Tochter und eine Menge böse Jungs, die in Prostitutions-, Drogen- und Religionsgeschäfte verwickelt sind: Das könnte ein klassischer Plot für eine Philip Marlowe Story von Dashiell Hammett sein, ist aber der neueste Krimi von Jakob Arjouni.

Nach über zehn Jahren Pause jagt der Autor den türkischen Detektiv Kemal Kayankaya erneut durch die verkommene Frankfurter Szene zwischen Bankenviertel und Unterwelt. Gleich zwei Aufträge hat der Schnüffler diesmal angenommen: Nicht nur die Suche nach dem Teenager und der Flirt mit der attraktiven Mutter erfordern seinen vollen Einsatz, auch ein scheinbar leichter Job als Bodyguard eines überbewerteten marokkanischen Autors, der bei der Frankfurter Buchmesse von Islamisten bedroht wird, kostet Kayankaya Blut und beschert ihm Beulen.

Immer wieder mal eins auf die Fresse zu bekommen, das gehört zum Leben des Kultdetektivs, den der in Frankfurt geborene Autor Jakob Arjouni Ende der achtziger Jahre erfand und so mit „Happy Birthday, Türke!“ den ersten türkischen Privatdetektiv in der deutschen Krimilandschaft schuf. Regisseurin Doris Dörrie verfilmte den Krimi 1992 mit Hansa Czypionka in der Hauptrolle.

Kayankaya ist, wie sein Autor, älter geworden. Er ist, nun über fünfzig, weg von den harten Drogen und trinkt nur noch selten, seit einigen Jahren lebt er mit der Ex-Prostituierten Deborah zusammen – „fast verheiratet“, wie er es nennt. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch: Kayankaya bleibt auch im gesetzten Alter der toughe und wortgewandte Privatschnüffler, der ironisch mit seinem „Kanaken“-Image spielt. Er hat zwar gelernt, Konflikten aus dem Weg zu gehen, kann aber immer noch schwer seine hessische Klappe halten.

Wer die Unterschiede zu früher selbst erkennen will: Auch die alten Kayankaya-Fälle aus den Achtzigern und Neunzigern sind seit kurzem wieder als Taschenbücher lieferbar.

Frankfurt-Krimi:

Jakob Arjouni – Bruder Kemal, Diogenes, Zürich 2012, 240 Seiten, 19,90 Euro

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