No Historical Backspin: Star-DJ Monika Kruse gegen Rassismus

Monika Kruse ist ein international erfolgreicher DJ. Die „Grand Dame der deutschen elektronischen Musik“ (Raveline) betreibt mit Electric Avenue und Terminal M zwei Plattenlabels, inklusive einer Booking-Agentur, und produziert selbst Musik. 1991 startete die gebürtige Berlinerin ihre DJ-Karriere, die sie inzwischen an fast jeden Ort der Erde führte. Seit 2000 engagiert sich Monika Kruse mit ihrem Charity-Projekt „No Historical Backspin“ (NHB) gegen Rassismus, Intoleranz, Homophobie, Sexismus und rechte Gewalt. Bei den zweimal im Jahr stattfindenden „No Historical Backspin-Partys“ treten alle DJs und Musiker ohne Gage auf. So konnten in knapp zehn Jahren über 60.000 Euro erwirtschaftet und an die Amadeu-Antonio-Stiftung gespendet werden. Im Interview spricht Monika Kruse über Toleranz in der Technoszene und Partys in den neuen Bundesländern.

BRASH.de: Frau Kruse, warum haben Sie als DJ das Charity-Projekt „No Historical Backspin“ ins Leben gerufen?

Monika Kruse: Im Jahr 2000 gab es mehrere Übergriffe auf Ausländer. Das fand ich als Deutsche in meinem Heimatland sehr beschämend und nicht hinnehmbar. Ich wollte ein Zeichen setzen, da ich unsere Musikszene unmittelbar mit den Begriffen Toleranz, Internationalität und Weltoffenheit verbinde.

Warum ist so ein Projekt immer noch notwendig?

Nach wie vor gibt es diese Übergriffe, sie steigen sogar an, auch wenn sie in den Medien derzeit nicht so präsent sind. Ob nun ein Kiosk wieder abgefackelt wurde oder Übergriffe gegenüber Schwulen stattfinden. Wir haben durch die vielen Events Aufmerksamkeit geschaffen, unsere Gäste, Clubgänger und Außenstehende zum Denken angeregt und gleichzeitig eine Menge Geld gesammelt, das den Opfern von rechter Gewalt zugutekommt. Wir haben zwar einiges erreicht, aber leider noch nicht genug. Das ist meine Motivation weiter zu machen.

Wie macht sich Rassismus in der deutschen Club- und Musikkultur bemerkbar?

Durch ein Defizit an Toleranz und Akzeptanz gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden. Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Homophobie oder Ausgrenzung, etwa von Türken und Arabern, ist in deutschen Clubs eine regelmäßige Erfahrung. Genauso wie ich als Frau immer noch feststellen kann, dass die Technokultur doch nicht so frei von Vorurteilen ist, wie man es annehmen möchte. Jedoch habe ich mit „No Backspin“ immer viel Zuspruch, Interesse und Unterstützung aus unserer Techno-Szene bekommen.

Kommt Ihre Botschaft für mehr Toleranz bei den Ravern wirklich an oder wird nur gefeiert, egal wie das Motto beschaffen ist?

Den Ravern ist sehr wohl bewusst, um was es bei unseren Partys geht. Gerade das friedliche Miteinander während unseren Partys steht den gewalt- und hasserfüllten Aktionen der Neonazis entgegen. Ich weiß, dass ein großer Teil der Techno-Szene politisch interessiert ist.

Ihre „No Backspin“-Veranstaltungen finden hauptsächlich im Osten Deutschlands statt.

Ja, weil dort die rechten Parteien aktiver sind und vor allem Jugendliche für ihre verqueren Ideen gewinnen wollen. Die nächste Party am 16. Dezember 2009 veranstalten wir in Leipzig, weil dort die NPD im August 2009 zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in einen Landtag wiedergewählt wurde.

Unterstützt Sie die Lokalpolitik bei Ihren Partys?
 
Wir hatten im April 2009 eine Veranstaltung während der „Aktionstage Gegen Rechts“, wo wir vor allem aus dem DGB- und SPD-Umfeld unterstützt wurden. Von Lokalpolitikern aus Landtag oder Gemeinderäten leider nicht.

Wie begeiste
rn Sie ständig namhafte DJs für Ihr Projekt? Immerhin treten die Künstler ohne Gage auf.

Meistens genügt eine kurze E-Mail an die Booking-Agentur und es kommt sofort ein begeistertes „Ja!“ zurück. Manche DJs wie etwa Felix Kröcher kommen von selbst auf mich zu. Bei anderen DJs muss man schon mehrere Telefonate führen und Überzeugungsarbeit leisten. Das ist aber auch verständlich, da das Thema heikel ist und man als DJ fast jede Woche angequatscht wird, Charity-Projekte zu unterstützen.

Wie soll es im nächsten Jahr mit Ihrem Projekt weitergehen?

Hoffentlich mit vielen weiteren erfolgreichen Partys! Mein Traum ist es, in 2010 die „Zehn Jahre No Backspin Jubiläumsparty“ im Berliner Berghain zu veranstalten.

Party: No Historical Backspin mit Monika Kruse, Tobi Neumann, Heartthrob, Markus Welby und Daniel Stefanik. Destillery Leipzig.
16. Dezember 2009. Beginn: 22 Uhr

www.nobackspin.de
www.amadeu-antonio-stiftung.de
www.distillery.de

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